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2000

Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer

Limoniscus violaceus (Müller, 1821)

Kuratorium Wald

Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer

Limoniscus violaceus (Müller, 1821)

FFH-Art 1079​

Systematik:

Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Familie: Schnellkäfer (Elateridae)

Hauptmerkmale:

Die Käfer erreichen Längen zwischen 10 und 11 mm. Ihre Körper sind schwarz gefärbt und weisen einen metallisch blauen Schimmer auf. Auf den Flügeldecken zeigt sich eine erhabene Naht.

Lebensraum (Habitat):

Das sehr seltene Urwaldrelikt besiedelt alte, höhlenreiche Laubholzbestände. Die Fundorte beschränken sich vor allem auf historisch alte Wälder, welche in den letzten hundert Jahren aufgrund schwerer Zugänglichkeit nicht forstwirtschaftlich geprägt wurden. Die Käfer sind auf Laubgehölze wie Rotbuchen, Eichen, Ulmen und Eschen mit entsprechenden Mulmhöhlen angewiesen. Da diese Höhlen vor Witterungseinflüssen geschützt sein sollen, weisen sie zumeist nur sehr kleine schlitzförmige Öffnungen auf. Sie befinden sich häufig in Bodennähe, sind humisiert und gleichmäßig durchfeuchtet. Eine Entwicklung in länger abgestorbenen oder gefällten Bäumen findet nicht statt.

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Totholz

Biologie

Die Tiere legen ihre Eier in Ritzen und Spalten im Bauminneren. Die Larven leben dann im Mulm und ernähren sich von Insektenlarven und den Resten toter Insekten. Bei günstigen Bedingungen können sie bis zu 1 m tief im Substrat siedeln. Die Larvenentwicklung dauert in der Regel 2 bis 3 Jahre, wobei die Larven bis zu 22 cm lang werden können.
Die Verpuppung erfolgt ebenfalls im Inneren der Höhlen, im weichen Holz der Innenwände. Über die Lebensdauer der adulten Tiere ist nur wenig bekannt. Die flugfähigen Käfer sind nachtaktiv, verlassen jedoch nur selten ihre Höhlen. Auch die Paarung findet hier statt. Bei ungünstigen Bedingungen kann eine Ausbreitung auch am Boden erfolgen.

Verbreitung

Europa:

in Bearbeitung!

Österreich:

Die Tiere sind sehr selten und in Österreich aktuell auf Teile des Wienerwaldes, der Wachau und des Kremstales beschränkt. Funde stammen überwiegend aus kollinen bis submontanen Höhenstufen.

 

Vorkommen in Natura 2000-Gebieten:

Gefärdung

& Maßnahmen

Status rote Liste Österreich:

gefährdet (VU)

Status FFH-Richtlinie:

Anhang II

Gefährdungsursachen:

Limoniscus violaceus ist aufgrund der geringen europaweiten Vorkommen, eine der gefährdetsten Käferarten der FFH-Richtlinie und massiv vom Aussterben bedroht.
Gefährdungsursachen sind die zunehmende Fragmentierung der Wälder und die Entnahme alter Laubgehölze mit Faul- und Schadstellen im Zuge intensiver forstwirtschaftlicher Nutzung.
Die häufigsten aktuellen Nachweise des Käfers stammen aus Wäldern, welche seit Jahrhunderten nicht mehr genutzt bzw. bewirtschaftet werden.

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Mögliche Schutzmaßnahmen:

Schutzbemühungen müssen sich in erster Linie auf den Erhalt aller bekannten Vorkommen fokussieren. Es müssen spezielle Schutzmaßnahmen getroffen werden, da bei dieser Art eine Totholzanreicherung allein nicht ausreicht, um den Bestand zu sichern.
Maßnahmen können folgendermaßen aussehen:

Belassen alter und starker Laubgehölze mit Schad- und Faulstellen (am Stammfuß) auf entsprechenden Standorten

Vermeidung von Grundwasserabsenkungen bzw. Freistellungsmaßnahmen von Stammanläufen

Frühestmöglicher Verzicht auf weitere Bewirtschaftung in Wäldern mit aktuellen Vorkommen

Ausweitung/Förderung der unbewirtschafteten Zonen

Vermeidung von zu hohem Schwarzwildbesatz